Katt Both. Bauhaus-Architektin aus Kassel. Die Ausstellung.

Ausstellung
Warum wir von Katt Both erzählen: Nach einem Jahr intensiver Auseinandersetzung mit ihrem Leben und Werk haben wir Themen entdeckt, die sowohl zeithistorisch als auch für die Gegenwart von großer Relevanz sind. Katt Both war eine der außergewöhnlichen so genannten „Neuen Frauen“, deren Leben und Werk für den Aufbruch in eine neue Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts stehen. 1905 in Waldkappel geboren und 1985 in Kassel gestorben, war Katt Both maßgeblich an der Entwicklung wesentlicher Projekte des „Neuen Bauens“ der 1920er- und 1930er-Jahre, wie das Marie von Boschan Aschrott-Altersheim und die Rothenbergsiedlung in Kassel, beteiligt. Heute ist sie dennoch vergessen – ein Schicksal, das sie mit vielen Avantgardist:innen und engagierten Frauen ihrer Zeit teilt.

 

Katt? Wer war die Frau hinter diesem rätselhaften Namen? Welche biografischen Stationen prägten ihr Leben? Wie spiegeln sie sich in ihren Arbeiten wider, die dem „Neuen Bauen“, Wohnen und Gestalten verpflichtet waren und die immer wieder in Verbindung zur Stadt Kassel standen?

Anlässlich des 120. Geburtstags von Katt Both widmet sich dieses Projekt dem Leben und Werk der Architektin, Fotografin und Möbelgestalterin. Es wurde mit Student:innen des Fachbereichs Entwerfen und Gebäudelehre der Universität Kassel unter der Leitung von Prof. Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs und Dr. Ute Maasberg entwickelt.

 

Basierend auf originalen Fotos, Plänen und Dokumenten aus dem Nachlass wurde ein kuratorisches Konzept entwickelt und umgesetzt. Die Ausstellung ist als Bezugsfeld unterschiedlicher Perspektiven und möglicher Lesarten organisiert. Raumfüllend wird die enthusiastische und radikale Entwicklungs- und Schaffensphase Katt Boths in den Bereichen „ausbildung und selbstfindung 1923–27“ sowie „arbeiten am puls der zeit 1928–33+“ erzählt. Thematisiert werden unter anderem Fragen der Selbstdarstellung, gebrauchsorientiertes und zugleich atmosphärisches Entwerfen von Grundrissen für unterschiedliche Wohnmodelle, der Bezug zur Natur sowie die Frage: Wie trägt man eine Idee? Eingeschrieben in Katt Boths Entwicklungs- und Schaffensphase sind die Bereiche „die neue frau- und das neue bauen im gesellschaftspolitischen kontext“, in die die allmähliche Ideologisierung von Architektur, Kultur und Gesellschaft 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten sichtbar gemacht werden. Zeitdokumente machen diesen Wandel sichtbar und hörbar.

 

Experimentelle Ausstellungsformate, junge künstlerische Positionen sowie die von Sabine Kienzer kuratierten zeitgenössischen Kunstpositionen entfalten feinsinnige Dialoge zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ein Rahmenprogramm führt den zeitaktuellen Diskurs zu den Ausstellungsthemen im diskursiven Raum fort.

 

Die Ausstellung lädt dazu ein, Katt Both in ihrer Radikalität und Ambivalenz neu zu entdecken. Ihre Fragen nach sozial gerechtem, bezahlbarem und zugleich qualitätsvollem Wohnraum sind heute ebenso aktuell wie die gesellschaftspolitischen Themen, die ihr Leben, ihren Werdegang und ihr Werk maßgeblich geprägt haben. Bis heute sind diese Fragen ungelöst und stellen – hundert Jahre später – erneut die Stabilität unserer Demokratie in Frage.

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Ausstellungshalle der Kunsthochschule Kassel
Menzelstraße 13-15
34121 Kassel

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